Jahresbericht 2025
2015 herrschte Aufbruchstimmung: Mit der Agenda 2030 und den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) haben die UNO-Mitgliedstaaten ein globales Versprechen abgegeben – die drängendsten Herausforderungen unseres Planeten gemeinsam anzugehen und kommenden Generationen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.
Zehn Jahre später, 2025, haben wir dieses Jubiläum in Liechtenstein zum Anlass genommen, eine ehrliche Zwischenbilanz zu ziehen. Gemeinsam mit Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft und zivilgesellschaftlichen Organisationen haben wir den Status quo beleuchtet. Christian Frommelt, Rektor der Universität Liechtenstein, brachte es in seinem Eröffnungsbeitrag prägnant auf den Punkt: Liechtenstein ist zweifellos handlungsfähig, aber in vielen Bereichen noch nicht ausreichend handlungswillig.
Diese Einschätzung spiegelt eine paradoxe Entwicklung: Das Bewusstsein für zentrale Fragen – vom Klimawandel bis zur sozialen Gerechtigkeit – ist gewachsen. Gleichzeitig stockt der Motor dort, wo es konkret werden muss: bei der Bereitschaft, Veränderungen mit Weitblick zu planen, Entscheide zu treffen und die Umsetzung anzugehen – auch dann, wenn Verhaltensänderungen nötig werden. Besonders sichtbar wird der Widerstand, wenn Transformationen durch Regulierungen verbindlich verankert werden sollen.
Erschwert wird der Weg zusätzlich durch die aktuelle Weltlage. Geopolitische Erschütterungen fordern mit viel «Lärm» unsere unmittelbare Aufmerksamkeit. Während wir von Krise zu Krise taumeln, geraten die langfristigen Grundlagen unserer Lebensqualität leicht aus dem Blick. Umso wichtiger ist es, dass wir uns nicht vom Tagesgeschehen treiben lassen, sondern Orientierung behalten.
Die SDGs bieten diese Orientierung – und stellen zugleich hohe Anforderungen. Alles hängt mit allem zusammen. Diese Vernetzung ist wissenschaftlich korrekt und wesentlich, macht die Kommunikation aber anspruchsvoll. Auch wir fragen uns: Wie sprechen wir über Dringlichkeit, ohne zu lähmen? Wie erreichen wir Menschen ausserhalb der Nachhaltigkeits-Bubble? Und wie wird aus Wissen die Bereitschaft zu konsequentem Handeln – im Sinne unserer (Kindes-)Kinder?
Die SDG Allianz Liechtenstein lässt sich vom Gegenwind nicht entmutigen. Wir arbeiten – mit einer gesunden Portion Trotz – an Antworten und übersetzen die Euphorie und den Willen von 2015 in die heutige Realität. Wir sind überzeugt: Die Zivilgesellschaft kann grosses bewirken. Als Plattform und Unterstützerin gehen wir mit unserem Netzwerk kleine, aber entscheidende Schritte, unterstützen Akteur:innen, vernetzen Visionär:innen und geben der Transformation ein Gesicht. Dieser Jahresbericht zeigt Projekte, Kooperationen und das Engagement vieler Einzelner: Das Bekenntnis zu den SDGs ist aufrecht, Veränderung ist möglich, der Wille zum Handeln ist da.
Das Engagement der letzten zehn Jahre ist wertvoll, aber nicht ausreichend: Es braucht jede und jeden. Nachhaltigkeit gelingt nicht durch Delegation, sondern durch Beteiligung. Darum war das Jubiläum nicht nur Rückblick, sondern auch Weckruf: Jetzt ist der Moment, weiterzugehen. Jetzt ist der Moment, politischen Willen ebenso sichtbar zu machen wie die vorhandene Handlungsfähigkeit. Und jetzt ist der Moment, Verantwortung zu übernehmen – im Kleinen wie im Grossen.
Vielen Dank für das Interesse an unserem Wirken und die Unterstützung auf diesem Weg.
Wir wünschen herzlichst eine inspirierende Lektüre.
Ruth Ospelt-Niepelt, Co-Präsidentin & Dr. Werner Pohl, Co-Präsident



