SDG Update | 1. Dezember 2025
Nachhaltigkeitsindikatoren erstmals an SDGs angepasst
Liechtenstein hat sein Indikatorensystem für nachhaltige Entwicklung auf die 17 SDGs umgestellt. 68 Kennzahlen zeigen nun, wie sich das Land in Sachen Nachhaltigkeit entwickelt. Das Bild ist gemischt: 38 Indikatoren entwickeln sich in Richtung Nachhaltigkeit, 20 Indikatoren zeigen eine negative Entwicklung, bei 3 Indikatoren gibt es noch zu wenig Daten für einen Trend.
Ein paar Ergebnisse
Positiv schneiden u.a. die Bereiche Armut, Gesundheit, Bildung, Energie, Arbeit, Klima und Leben an Land ab. Hier gibt es Fortschritte – zum Beispiel bei der Lebenserwartung, beim Ausbau erneuerbarer Energien und bei der Sozialhilfequote. Kritisch sind vor allem drei Ziele:
- SDG 2 (Kein Hunger): hoher Anteil Übergewichtiger, ungesunde Ernährungsgewohnheiten, steigende Emissionen aus der Landwirtschaft.
- SDG 10 (Weniger Ungleichheiten): Einkommensunterschiede bleiben hoch, gemeldete Diskriminierung am Arbeitsplatz nimmt zu.
- SDG 12 (Nachhaltiger Konsum und Produktion): Abfallmengen bleiben hoch, Sonderabfälle steigen, umweltbezogene Steuern gehen zurück.
Dazu kommen Druckpunkte wie steigende Wohnkosten, zunehmende Bodenversiegelung, mehr häusliche Gewalt gegen Frauen und eine Entwicklungshilfequote unter dem selbst gesteckten Ziel.
Wichtig dabei: Die Analyse zeigt Trends, aber keine klaren Zielwerte – positive Bewegungen bedeuten also nicht automatisch, dass wir auf gutem Weg zu unserem Ziel sind. Zudem messen die Indikatoren nicht die Fortschritte seit 2015, sondern vergleichen den aktuellen Stand mit dem ersten verfügbaren Jahr, oft 2000. Die Ergebnisse zeigen damit vor allem Langzeittrends und weniger, wie schnell wir seit Einführung der SDGs wirklich vorankommen. In den kommenden Ausgaben werden wir uns deshalb einzelne Indikatoren für den Zeitraum ab 2015 anschauen, um die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre genauer zu analysieren.
Neuigkeiten aus unserem Netzwerk
Drei kurzfristige Massnahmen könnten die Prognose für Klimaerwärmung unter 2°C bringen – 7Gen
Die Verdreifachung erneuerbarer Energien, die Verdoppelung der Energieeffizienz und die Reduzierung von Methan sind drei Ziele, auf die sich die Regierungen der Welt auf der COP 28 in Dubai geeinigt haben. Die Implementierung dieser Ziele würde die Erwärmungsrate bis 2040 halbieren und die prognostizierte Erwärmung in diesem Jahrhundert von 2,6°C auf ca. 1,7°C senken. Die schnelle Verringerung der Erwärmungsrate ist für die Anpassung an den Klimawandel entscheidend. Dies zeigt ein neuer Bericht des Climate Action Tracker, an dem unsere Partner bei der 7Gen massgeblich beteiligt waren.
Treffpunkt für junge Mitsprache – aha
Rund 55 Klassensprecher:innen aus den weiterführenden Schulen nahmen im November an der jubel-Werkstatt teil. Sie vernetzten sich schulübergreifend und sammelten zentrale Anliegen der Jugendlichen – darunter Mobilität, Schulstress, soziale Medien und Umweltschutz. Die Ergebnisse bilden die Basis für das jubel-Forum im Frühjahr.
Dies Academicus 2025 – Universität Liechtenstein
Mit dem Entwicklungsplan 2026–2028 will die Universität das Land und die Region aktiv mitgestalten, Wissenschaft stärker kommunizieren und evidenzbasierte Politik unterstützen. Höhepunkt des Abends war die Ernennung von Josef Biedermann zum Ehrensenator, ausgezeichnet für jahrzehntelanges Engagement in Bildung, Politik und Umweltschutz. Das Vaterland, der Landesspiegel und die Uni berichteten.
Aktuelles
Wie viel die lineare Wirtschaft kostet
Der Circularity Gap Report Sweden zeigt erstmals, wie viel wirtschaftlicher Wert durch lineare Wirtschaftsweisen verloren geht. Rund 19 % der jährlichen Wirtschaftsleistung (umgerechnet mehr als 50 Mrd. Franken) gehen verloren, durch zu früh entsorgte Produkte und ineffiziente Nutzung von Ressourcen. Am stärksten betroffen ist der Bausektor – durch Materialverschwendung, Abriss statt Sanierung und geringe Wiederverwendung. Der Bericht zeigt klar: Kreislaufwirtschaft ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern ein enormer ökonomischer Hebel.
Europas Landschaft schrumpft
Das Rechercheprojekt Green to Grey zeigt mit Satellitenbildern, KI-Analysen und Vor-Ort-Recherchen, wie schnell Europa Natur- und Agrarflächen verliert. Wälder und Böden werden versiegelt, Ackerland geht zurück – mit direkten Folgen für Biodiversität, Ernährungssicherheit und Klima.
Klimafaktenpapier 2025 aktualisiert
Das neue Klimafaktenpapier fasst den aktuellen Forschungsstand zur Erderhitzung zusammen – und zeigt: Die globale Erwärmung beschleunigt sich weiter. 2024 war das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, Europa erwärmt sich weltweit am schnellsten, Eisschilde schrumpfen, Meeresspiegel steigt und Extremwetter nimmt zu. Neu enthält das Papier auch sozialwissenschaftliche Daten: 89 % der Befragten in 125 Ländern wünschen sich ambitioniertere Klimapolitik. Trotz klarer Erkenntnisse bleibt die Politik jedoch hinter den Zielen des Pariser Abkommens zurück; die 1,5-Grad-Grenze dürfte innerhalb des nächsten Jahrzehnts überschritten werden.


